Re: Omis only ... noch immer nicht im Altenheim!
von Susanne5 » Mi 14. Mai 2008, 23:20
Nein, nein, diese Geschichte ist eigentlich nicht zu kapieren. Sie spielt in Baden-Württemberg. Die Hauptpersonen sind der Ministerpräsident. Er heißt Günther. Der Wirtschaftsminister Ernst Pfister von der FDP, alle Blumenhändler des Landes, die Bürgermeister der Gemeinden Gottmadingen und Bretten, die es immerhin damit in die Tagesthemen schafften.
Der Anfang ist einige Jahre her, als der Ladenschluss neu geregelt wurde. Baden-Württemberg, ein besonders christliches Land beschloss unter seiner besonders christlichen Regierung, dass verkaufsoffene Sonntage niemals an wirklichen Feiertagen also Ostern, Weihnachten, Pfingsten und was es sonst noch so gibt, sein dürften. Ausnahmen gibt es allerdings in Kurorten und Wallfahrtsorten. Nun ergab es sich aber dieses Jahr, dass Muttertag auf den Pfingstsonntag fiel. Ja und an diesem Muttertag sollte nun das Blumenverkaufen verboten sein außer halt in Kur-und Wallfahrtsorten. Das fiel Ernst, dem Wirtschaftsminister, dem Schutzpatron aller Selbständigen auf. Er forderte seinen Ministerpräsidenten Günther auf, sich um eine Gesetzesänderung zu bemühen. Günther meinte noi, er kaufe die Blumen für seine Mutter am Samstag ond des solle elle andre au mache. Protest riefen der Gottmadinger und der Brettener Bürgermeister im Duett und bemühten biblische Gebote (Du sollst Vater und Mutter ehren, natürlich nur mit einem am Sonntagmorgen gekauften Blumenstrauß) und nicht etwa den Wunsch nach Einnahmen.Sie versuchten durch Gemeinderatsbeschlüsse das Ladenschlussgesetz zu unterlaufen. Nein, brüllte der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. Also es blieb dabei, es durften Blumen nur in Kur- und Wallfahrtsorten, an der Tanke, im Bahnhof und auf dem Blumenacker verkauft werden. Vier Wochen lang füllte das Für und Wieder unsere Gazetten. In Bretten und Gottmadingen verschenkten die Bürgermeister publikumswirksam Blumen in aller Öffentlichkeit. Auf wessen Kosten wird nur ungenau verraten.
Ich selber habe in 34 Jahren Mutter sein kein einziges Mal am Muttertagmorgen gekaufte Blumen bekommen und fühle mich keineswegs ungeehrt. Ja ich habe sie noch nicht mal vermisst.
Also Disa, Dir hätte man in Kevelaer ein beliebig großes Blumenmeer Sonntagmorgen um 10.00 Uhr kaufen dürfen. Aber in NRW gelten ja andere Gesetze. Da arbeiten die Leute (also nicht nur die Blumenhändler) sogar an Fronleichnam.
Wie gesagt, es ist unser meist diskutiertes Problem. Warum schenkt mir eigentlich niemand eine Flasche Kaiserstühler Rotwein zum Muttertag. Den kann man getrost eine Woche vorher kaufen.
Verstanden? Nein. Ich versteh es auch nicht, vor allem nicht das Theater drum herum.